Wer mit Fieber, Kopf und Gliederschmerzen im Bett liegt, hat meist andere Sorgen als Rechtsvorschriften. Doch weder Übelkeit, Bauchkrämpfe noch Grippe entbinden Arbeitnehmer von ihren Pflichten. Die wichtigsten Regeln im Überblick.

Krankmeldung – je früher, desto besser

Wenn Sie nicht in der Lage sind zu arbeiten, müssen Sie Ihren Chef davon in Kenntnis setzen. Und dies noch bevor Sie zum Arzt gehen! Als Arbeitnehmer sind Sie dazu verpflichtet, Ihrem Chef am ersten Krankheitstag bis zum regulären Dienst- oder Arbeitsbeginn mitzuteilen, dass Sie krank sind und für den Tag ausfallen. Liegt die Krankmeldung bis Arbeitsbeginn nicht vor, verstößt der Arbeitnehmer gegen seine arbeitsvertraglichen Pflichten!

Krankschreibung – spätestens nach drei Kalendertagen

Die Krankschreibung ist die ärztliche Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung (Attest). Diese müssen Sie bei Ihrem Arbeitgeber einreichen, wenn Sie infolge Ihrer Krankheit länger als drei Kalendertage nicht arbeitsfähig sind. Spätestens am vierten Tag muss dem Arbeitgeber das Attest vorliegen. Die Krankschreibung muss das Bestehen einer Arbeitsunfähigkeit und die voraussichtliche Dauer derselben erkennen lassen.

Für die Fälligkeit der Krankschreibung zählen nicht die Arbeits-, sondern die Kalendertage. Das bedeutet beispielsweise, dass Sie bei Fehlen wegen Krankheit am Freitag, Ihrem Arbeitgeber bereits am darauffolgenden Montag ein ärztliches Attest über Ihre Arbeitsunfähigkeit vorlegen müssen, wenn Sie an diesem Tag noch krank sind.

AUFGEPASST: Nach einem Urteil des Bundesarbeitsgerichts von 2012 kann der Arbeitgeber auch verlangen, dass Arbeitnehmer die Krankschreibung schon am ersten Tag vorzulegen haben. Überprüfen Sie  dies in Ihrem Arbeitsvertrag! Wer sich zu spät krank meldet oder ein Attest einreicht, riskiert eine Abmahnung – schlimmstenfalls droht die Kündigung!

Krankgeschrieben – was darf ich tun?

Viele Arbeitnehmer sind sich unsicher, was sie im Krankheitsfall machen dürfen und was nicht. Hier gilt eine einfache Regel:

Jeder erkrankte Arbeitnehmer darf mit seinem Verhalten eine schnellstmögliche Genesung nicht gefährden. Verantwortungslose Handlungen entgegen den ärztlichen Empfehlungen können eine Abmahnung oder gar die fristlose Kündigung mit sich ziehen.

Eine Krankschreibung bedeutet demnach nicht, dass Sie ans Bett gefesselt sind. Erlaubt ist alles, was die Genesung fördert. Wichtig ist nur, dass Sie nichts machen, was die Beschwerden verschlimmert! Hat der Arzt keine strikte Bettruhe angeordnet, sind kurze Wege zum Besorgen von Lebensmitteln oder ein kleiner Spaziergang erlaubt. Die Bewegung an der frischen Luft kann die Heilung fördern. Bei einem Rückenleiden sollte beispielsweise von Gartenarbeit abgesehen werden. Ein Besuch bei Bekannten oder im Kino kann dagegen durchaus in Ordnung sein. Im Sinne der Genesung sollte jedoch mit Bronchitis auf den Aufenthalt in einer verrauchten Kneipe verzichtet werden.

Erkrankung im Urlaub

Bereits genommener Urlaub verfällt bei Krankheit nicht. Wenn man krank wird, ist man nicht mehr urlaubsfähig, man kann den Urlaub also gar nicht nehmen. Für Erkrankungen im Urlaub gelten allerdings für den Arbeitnehmer strenge Nachweis- und Anzeigepflichten:

  • Die Krankheit ist ab dem ersten Tag zu melden und ärztlich zu attestieren.
  • Atteste sind auch bei Aufenthalt im Ausland einzuholen, wobei nicht alle Papiere den deutschen Nachweispflichten genügen. (Arbeitsunfähigkeit muss explizit ausgeführt werden)
  • Die freien Tage werden gutgeschrieben, dürfen jedoch nicht einfach an den Urlaub angehängt werden. Dies gilt als unzulässige Selbstbeurlaubung und zieht im schlimmsten Fall eine Abmahnung oder Kündigung mit sich.

Darf der Arbeitgeber die Krankschreibung überprüfen?

Wenn der Arbeitgeber begründete Zweifel an Ihrer Arbeitsunfähigkeit hat, darf er die Krankschreibung überprüfen. In diesem Fall kann er von Ihrer Krankenkasse verlangen, eine gutachterliche Stellungnahme des Medizinischen Dienstes zur Überprüfung der Arbeitsunfähigkeit einzuholen. Sie sind in diesem Zusammenhang aber nicht verpflichtet, Ihren Arzt von seiner Schweigepflicht zu entbinden.